Der weltweit führende Autohersteller Toyota kämpft in Deutschland mit Absatzschwierigkeiten. Die japanische Marke hat die Überholspur verlassen und muss nach Zulassungseinbrüchen um ein Fünftel in den ersten fünf Monaten 2008 ernsthaft um die Fortsetzung seiner Erfolgsstory bangen, wie die neuesten Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zeigen.
Toyota und seine Luxusmarke Lexus sind per Ende Mai mit minus 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar größter Verlierer unter den Volumenanbietern auf dem Neuwagenmarkt. Dieser wuchs trotz spürbarer Mai-Einbußen (-6,2 Prozent) um 4,2 Prozent.
International, so hatte Toyota im ersten Quartal gemeldet, habe die Marke erstmals mehr Autos verkauft als der bisherige US-Branchenführer General Motors und sei damit nicht nur größter Autoproduzent, sondern auch Absatzprimus. Deutschlandweit stehen 2008 für Toyota Neuwagen/Lexus bis Ende Mai aber nur 44 430 Neuanmeldungen (Vorjahr: 56 205) zu Buche. Das Jahresergebnis 2007 von 132 535 Zulassungen(-10 Prozent zu 2006) scheint kaum noch erreichbar. Der Marktanteil sackte von 4,4 Prozent vor einem Jahr auf 3,3 Prozent ab. Der japanische Anbieter fiel damit auf Rang drei der Importeure hinter Renault/Dacia und die tschechische VW-Tochter Skoda zurück.
Der Zulassungsrückgang in Deutschland sei «tendenziell erwartet» worden, weil dieses Jahr so gut wie keine neuen Modelle der Marke auf den Markt kämen, sagte Wolf-Henning Fanslau, Sprecher von Toyota Deutschland, in einem Gespräch mit den ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten. Die jetzigen Absatzzahlen seien aber nicht zufriedenstellend, lägen sie doch deutlich unter dem Vorjahr und dem Vorvorjahr, stellte er fest.
Ein weiterer Grund sei, dass Toyota in der Vergangenheit den Absatz «gepuscht» habe. Das solle sich unter neuer Führung ändern. Auch wolle sich die Marke auf wichtige Modellreihen konzentrieren und nächstes Jahr wieder besser dastehen. Wichtiger als der Absatz seien für Toyota wie für Lexus Produktqualität und Kundenzufriedenheit, betonte Fanslau. Toyota Gebrauchtwagen könne auch mit drei Prozent deutschem Pkw-Marktanteil leben. Ziel sei aber, künftig mit «maßvollem Wachstum» wieder fünf Prozent zu erreichen und einmal 200 000 Wagen im Jahr abzusetzen.
Seit 1. April ist Alain Uyttenhoven neuer Vizepräsident von Toyota Deutschland. Der 47-jährige Belgier, früher Produkt- und Marketingmanager bei DaimlerChrysler und Opel, löste Markus Schrick ab, der als Geschäftsführer zu Toyota Motor Italien ging. In der Verkaufspraxis «puscht» die Marke den Markt aber bislang weiter durch offene Kaufrabatte sowie Eigenzulassungen auf Hersteller und Handel. In Anzeigen bieten Toyota-Händler als Kaufanreiz für bestimmte Modelle den Kunden für deren Gebrauchtwagen bis zu 3500 Euro über dem DAT-Schätzwert.
Das Gelsenkirchener Center Automotive Research (CAR) ermittelte bei einer Mai-Untersuchung, dass als Folge der Kraftstoff-Preissprünge am deutschen Markt und eines deutlich höheren Anteils der Eigenzulassungen als im Vorjahr besonders bei deutschen Volumenherstellern, aber auch Importeuren, die Neuwagen-Rabatte im Schnitt von 16,5 auf 17 Prozent gestiegen sind. Toyota senkte seine Eigenzulassungen zwar von 12 873 Wagen in den ersten vier Monaten 2007 auf 7383 Fahrzeuge und liegt mit 21,5 Prozent der Gesamtzulassungen unter dem Branchenschnitt (28,7 Prozent). Neu sind laut CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer jedoch hohe offene Rabatte bei Toyota: Avensis 20, Corolla Verso 22,1, Yaris 23,4 Prozent. Der Auris sei erst ein Jahr im Markt und werde in Autoleasing Angebote schon offen mit 17 Prozent unter Preisliste angeboten, sagte Dudenhöffer.
Ob sich dieser Trend fortsetzt, bleibt abzuwarten. Möglicherweise will Toyota damit auch drohenden Imageverlusten begegnen. Denn Toyota-Autos, die lange Jahre als Beispiel für Zuverlässigkeit und Qualität galten, wurden bei einschlägigen Rankings in den vergangenen zwei Jahren immer mehr von deutschen Modellen überholt. In der ADAC-Pannenstatistik 2007 taucht der 34-fache Klassensieger Toyota Neuwagen nicht mehr unter den Top Ten auf. Beim Qualitätspreis 2008 des Autoclubs, der auch die Kundenzufriedenheit einbezieht, konnten sich von den «Japanern» nur der Mazda 3 und der Mitsubishi Space Star als 5. und 10. in die Phalanx der deutschen Hersteller einreihen.
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